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Ratgeber

Verschmorte Steckdose, Brandgeruch, warme Steckdose: fünf Warnzeichen

Aleksandar Cvetković, Gründer und Techniker

. 7 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Stecken Sie das Gerät ab, schalten Sie die Sicherung für diesen Raum aus und benutzen Sie die Steckdose nicht mehr. Bei Rauch, Funken oder sichtbarer Hitze rufen Sie die Feuerwehr unter 122, nicht den Elektriker. Rechnen Sie nicht damit, dass Sicherung oder FI das für Sie erledigen: laut OVE-Fachinformation IS03 bleibt der Strom bei einem seriellen Lichtbogen unter der Auslöseschwelle. Unser Notdienst beginnt werktags bei 149 €.

Zwei offene Hohlwanddosen in einer Trockenbauwand, alle Adern in Steckklemmen verbunden

Eine Steckdose, die nach verschmortem Kunststoff riecht, ist kein Schönheitsfehler. Sie ist der sichtbare Teil einer Fehlerstelle, die laut der OVE-Fachinformation IS03 "unter Umständen auch lange unerkannt" bleiben kann. Die gute Nachricht ist, dass Sie in den ersten Minuten fast alles richtig machen können, ohne Werkzeug und ohne Fachwissen. Die schlechte ist, dass genau dieser Fehler von den Schutzgeräten im Sicherungskasten oft nicht erkannt wird.

Was Sie in den nächsten zehn Minuten tun

  1. Angeschlossene Geräte abstecken, ohne die Steckdose selbst zu berühren. Am Stecker ziehen, nicht am Kabel.
  2. Im Sicherungskasten den Automaten für diesen Raum ausschalten. Wissen Sie nicht, welcher es ist, schalten Sie den Hauptschalter aus.
  3. Riecht es weiter, sehen Sie Rauch, Funken oder braune Verfärbungen am Rahmen, dann verlassen Sie die Wohnung und rufen die Feuerwehr unter 122.
  4. Die Steckdose bleibt außer Betrieb, auch wenn sie wieder funktioniert. Kein Klebeband, kein Verlängerungskabel als Ersatz an derselben Leitung.
  5. Fotografieren Sie Steckdose, Stecker und Gerät. Das verkürzt die Fehlersuche und damit Ihre Rechnung.

Ein Hinweis, der oft durcheinandergeht: die Störungsnummer der Wiener Netze, 0800 500 600, ist für Netzausfälle da, nicht für Brandgeruch in Ihrer Wohnung. Bei Gasgeruch gilt 128, und Wiener Netze schreibt dazu ausdrücklich, man solle zum Telefonieren ins Freie gehen.

Warum Sicherung und FI nicht ausgelöst haben

Die Antwort steht in einer österreichischen Primärquelle. Die OVE-Fachinformation IS03 vom Dezember 2023 unterscheidet drei Fehlersituationen: den Lichtbogen gegen Erde, den parallelen und den seriellen Lichtbogen. Beim seriellen Lichtbogen, also der klassischen losen Klemme, gilt wörtlich: "Bei einem seriellen Lichtbogen ist kein Ableitstrom zur Erde vorhanden, daher können Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD) diese Fehler nicht erkennen." Und weiter: die Impedanz des Lichtbogens reduziert den Laststrom, "wodurch der Strom unter dem Auslösegrenzwert von Leitungsschutzschaltern oder Sicherungen bleibt".

Im Klartext: Der FI sucht Strom, der den falschen Weg nach Erde nimmt. Die Sicherung sucht zu viel Strom. Eine lose Klemme macht beides nicht. Sie macht Wärme. Deshalb ist der Geruch das Warnsignal und nicht das Klicken im Verteiler. Wer wartet, bis etwas abschaltet, wartet auf ein Ereignis, das bei diesem Fehler gar nicht vorgesehen ist.

Fünf Warnzeichen, nach Dringlichkeit

Rauch, Funken, sichtbare HitzeSofort Hauptschalter aus, Wohnung verlassen, Feuerwehr 122. Nicht selbst löschen.
Geruch nach verschmortem KunststoffSicherung aus, Steckdose außer Betrieb, Elektriker noch heute. Der Geruch verschwindet oft, die Ursache nicht.
Braune oder gelbe Verfärbung an Dose, Rahmen oder SteckerHitzespur. Auch ohne Geruch ein Fall für den Tausch, nicht für Abwarten.
Steckdose oder Stecker ist spürbar warmHandwarm ist bei Dauerlast möglich, deutlich warm ist es nicht. Last runternehmen und prüfen lassen.
Knistern, Summen oder flackerndes Licht am selben StromkreisDeutet auf eine Kontaktstelle hin, die sich löst. Gehört gemessen, bevor sie verschmort.

Woher die Wärme kommt

Die OVE-Fachinformation zählt "einige häufig erkannte Fehlerquellen" auf, ohne sie zu reihen. Genannt werden beschädigte Isolierungen durch Nägel, Schrauben, Bohrungen oder Nagetierverbiss, gequetschte und abgeknickte Leitungen, "hoher Kontaktübergangswiderstand durch schlechte Kontaktierung, zB lose Kontaktstellen in Steckdosen oder bei Schraubverbindungen", Leitungen, die bei der Montage durch die Krallen der Dose verletzt wurden, gealterte oder verschmutzte Isolierung und beschädigte Elektrogeräte. Zum Ablauf schreibt dieselbe Quelle vorsichtig: durch Alterung oder Verschmutzung von Isoliermaterial "können Entladungen zwischen elektrischen Leitern entstehen, welche zur Erhitzung und Verkohlung von Kunststoff führen", und daraus "kann" ein stabiler Fehlerlichtbogen entstehen, der einen Brand verursacht.

Der zweite große Block ist Überlastung durch Mehrfachsteckdosen. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit veröffentlichte am 17. Oktober 2025 eine österreichweite Umfrage: mehr als 88 Prozent nutzen regelmäßig Mehrfachsteckdosen, rund 60 Prozent kennen deren Belastungsgrenzen nicht, 15 Prozent stecken Leisten ineinander und rund ein Drittel hängt mehr als zwei leistungsstarke Geräte an eine Leiste. Die Empfehlung des KFV lautet höchstens 3.500 Watt gesamt auf einer Leiste.

Wie oft Strom in Österreich wirklich brennt

Zahlen helfen hier mehr als Dramatik. Die Brandschadenstatistik der österreichischen Brandverhütungsstellen zählt für 2024 in Österreich 8.126 Brandfälle mit 478 Millionen Euro Schaden. Zwei Einschränkungen gehören dazu, sonst wird die Zahl größer gemacht, als sie ist: Kleinschäden unter 2.000 Euro und indirekte Blitzschäden sind nicht enthalten, und gezählt werden alle Risikogruppen, von der Wohnung über die Landwirtschaft bis zur Industrie. Die Zündquelle "Elektrische Energie" steht darin mit 1.153 Fällen, das sind 14 Prozent. Sie ist damit eine der häufigsten Ursachen, aber nicht die häufigste: unbekannte Ursachen liegen mit 1.773 Fällen darüber, offenes Licht und Feuer liegt mit 1.165 Fällen knapp davor, Blitzschlag mit 1.150 knapp dahinter.

Wer Ihnen erzählt, Elektrizität sei "die häufigste Brandursache", zitiert die Statistik falsch. Wer sagt, eine verschmorte Steckdose sei halb so wild, auch. Die ehrliche Lesart ist: Es passiert oft genug, dass sich das Abschalten und ein Tausch am selben Tag auszahlen.

Was wir vor Ort tatsächlich machen

Zuerst messen wir, statt zu tauschen. Wir nehmen die Dose heraus, sehen uns die Klemmstellen, die Aderenden und den Zustand der Isolierung an und prüfen, ob die Wärme aus der Dose selbst kommt oder aus der Verbindungsdose dahinter. Ist die Leitung an der Klemmstelle verkohlt, wird gekürzt und neu aufgelegt. Ist die Ader spröde oder der Querschnitt zu klein, endet die Reparatur nicht an der Dose. Danach prüfen wir den Stromkreis, an dem die Dose hängt, und sehen im Verteiler nach, ob dort dieselbe lose Verbindung schon einmal entstanden ist.

Wenn mehrere Dosen Hitzespuren zeigen oder die Wohnung noch klassische Nullung hat, empfehlen wir zusätzlich einen E-Befund. Er ersetzt die Reparatur nicht, er enthält Sichtprüfung, Messungen und den Prüfbefund als PDF. Er beantwortet aber die Frage, die nach der dritten warmen Dose im Raum steht: ob Sie ein Einzelproblem haben oder eine Anlage, die der Reihe nach ausfällt.

Was das bei uns kostet

Steckdose oder Schalter tauschen69 €
Jede weitere Steckdose im selben Raum59 €
Stundensatz für Fehlersuche und Reparatur118 € pro Stunde
Anfahrt in ganz Wien, einmal pro Einsatz69 €
E-Befund, Wohnung bis 50 m²249 €
Notdienst, Montag bis Freitag 7 bis 17 Uhr, Grundpreis149 €

Alle Preise inklusive 20 Prozent Umsatzsteuer, die vollständige Liste steht in der Preistafel. Der Grundpreis im Notdienst enthält Anfahrt, Fehlersuche und die ersten 30 Minuten Arbeit, die Zuschläge für Abend, Wochenende und Nacht stehen im Ratgeber zum Notdienst. Eine verschmorte Steckdose ist ein Fall für den nächsten Werktag, sobald der Stromkreis aus ist. Das spart den Zuschlag.

Hilft ein Brandschutzschalter, und ist er Pflicht?

Gegen genau diese Fehler gibt es ein eigenes Gerät, die Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung, kurz AFDD und im Handel meist Brandschutzschalter genannt. Sie erkennt die Signatur eines Lichtbogens und schaltet ab, also dort, wo FI und Sicherung nach der OVE-Fachinformation eine "Schutzlücke" lassen. Wo ein AFDD hingehört, steht in der Norm OVE E 8101, Unterabschnitt 421.7. Sie ist "zu installieren" in Wechselstromkreisen bis 16 A in Schlafräumen von Heimen für behinderte oder alte Menschen, in Schlafräumen von Kindergärten und in Räumen mit Brandrisiko durch verarbeitete oder gelagerte Materialien.

Wichtig ist der rechtliche Rang. OVE E 8101 ist in Anhang II der Elektrotechnikverordnung 2020 kundgemacht, und dieser Anhang enthält laut § 3 Abs 2 der Verordnung "nicht verbindliche Bestimmungen", bei deren Anwendung die Anforderungen des Elektrotechnikgesetzes als erfüllt gelten. Die Norm ist also der anerkannte Weg, nicht der Gesetzesbefehl. Für Schlafräume in normalen Wohngebäuden wird der AFDD ohnehin nur empfohlen, ebenso dort, wo unersetzbare Güter stehen. In Ihrer Wiener Mietwohnung ist er damit eine freiwillige Aufrüstung. Wer ihn nachrüstet, braucht ein Gerät nach OVE EN 62606 und einen Platz im Verteiler am Anfang des Stromkreises.

Mietwohnung: wer zahlt den Tausch?

Kurz: klären, nicht schätzen. Die Arbeiterkammer Wien nennt auf ihrer Seite "Wer muss Schäden in der Wohnung reparieren?" "brandgefährliche Elektroleitungen" als Beispiel für einen ernsten Schaden des Hauses. Diese Darstellung gilt laut AK für den Vollanwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes und für Genossenschaftswohnungen nach dem WGG. Ob Ihr konkreter Fall darunterfällt, hängt vom Mietvertrag, vom Baujahr und davon ab, ob das Mietrechtsgesetz voll, teilweise oder gar nicht gilt. Das ist eine Rechtsfrage im Einzelfall, und wir beantworten sie nicht.

Praktisch heißt das: Melden Sie den Schaden schriftlich der Hausverwaltung, am besten mit Foto und Datum, und lassen Sie den Stromkreis trotzdem sofort abschalten. Die Gefahr wartet nicht auf die Klärung der Kostenfrage. Beraten lassen können Sie sich bei der Arbeiterkammer Wien oder bei der Mieterhilfe der Stadt Wien. Kommen wir im Auftrag der Hausverwaltung, rechnen wir direkt mit ihr ab, dafür haben wir eine eigene Seite für Hausverwaltungen.

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